So stärkt ihr eurem Kind den Rücken

Posted by Sarah Schwarz
Kinder pausieren bei einem Radausflug auf Baumstamm

So stärkt ihr eurem Kind den Rücken

Posted by Sarah Schwarz
Kinder pausieren bei einem Radausflug auf Baumstamm

Radfahren ist für Kids in erster Linie Spiel und Spaß. Dabei merken sie gar nicht, wie viel Gutes sie sich tun: Ganz beiläufig trainieren sie ihre Ausdauer, Beweglichkeit, Koordination und nicht zuletzt ihren Rücken.

Der Kinderrücken

Die Wirbelsäule ist ein Knochenorgan. Sie ist jedoch keine starre Säule, sondern ein bewegliches Gebilde, das aus einzelnen Wirbelkörpern besteht. Die umliegende Muskulatur sorgt dafür, dass die Wirbelsäule gut in Form gehalten wird – und die soll natürlich schon früh gestärkt werden.

Der kindliche Rücken befindet sich in ständigem Wachstum; die Muskulatur und Knochen sind noch nicht vollständig entwickelt. So ist etwa der kindliche Knochenbau wegen der geringen Kalkablagerungen zwar noch elastischer, aber dafür weniger druck- und biegefest. Aus diesem Grund ist der Stützapparat (Knochen, Gelenke, Bänder, Bandscheiben) deutlich weniger belastbar als bei uns Erwachsenen. Dennoch bedeutet das nicht, dass ihr euer Kind in Watte packen müsst, im Gegenteil! Die Kräftigung des Halte- und Bewegungsapparates ist enorm wichtig, wie ihr gleich erfahren werdet. Durch einen aktiven Lebensstil, also regelmäßige körperliche Betätigung im Kindesalter, könnt ihr die Entwicklung, speziell den Knochen- und Muskelaufbau, eures Kindes optimal unterstützen.

 

Warum viele Kinder über Rückenschmerzen klagen?

Eure Kleinsten sind vermutlich richtig bewegungshungrig und lassen keine Gelegenheit aus, herumzutoben, zu hüpfen und zu klettern. Das ändert sich jedoch oft schlagartig ab einem bestimmten Alter, in der Regel mit dem Eintritt in die Schule. Es liegt natürlich in der Natur der Sache, dass euer Kind nun immer mehr sitzende Tätigkeiten ausüben muss: am Vormittag in der Schule und am Nachmittag bei den Hausaufgaben.
Doch stundenlanges Sitzen ist Gift für den Rücken: Die Wirbelsäule wird meist nur sehr einseitig belastet, die untrainierte Haltemuskulatur (Nacken-, Rücken-, Bauch- und Gesäßmuskulatur) schrumpft und kann ihre stabilisierende Aufgabe nicht mehr erfüllen. Das Risiko für Verletzungen, Fehlhaltungen und Rückenschmerzen wächst.

Umso wichtiger ist es, das viele Sitzen durch ausreichend Bewegung in der Freizeit zu kompensieren, damit das System Wirbelsäule lange, idealerweise ein Leben lang, leistungsfähig bleibt. Die aktuelle Empfehlung der Weltgesundheitsorganisation (WHO) lautet, dass Kinder und Jugendliche zwischen 5 und 17 Jahren täglich mindestens 60 Minuten eine mäßig bis anstrengende Aktivität ausüben sollten, um die Muskeln, Beweglichkeit und Knochen zu stärken. Das ist eigentlich nichts Neues, dennoch belegen zahlreiche Untersuchungen, dass sich Kinder in unseren Breitengraden heute immer weniger bewegen. Nach möglichen Ursachen muss nicht lange gesucht werden: Die zunehmende Digitalisierung führt zu mehr Bildschirm-Zeit, sprich extra Sitzzeit. Aber auch durch den Ausbau der öffentlichen Verkehrsmittel werden bereits kurze Alltagsstrecken bequem im Sitzen zurückgelegt. Während früher eine halbe Stunde Fußweg zur Schule oder drei Kilometer mit dem Rad zum Sportverein selbstverständlich waren und unbewusst in den Tagesablauf integriert wurden, werden heutzutage schon solche kurzen Strecken oft als Sport verbucht.

 

Kann Radfahren Abhilfe schaffen?

Soviel vorweg: Ja, Radfahren kann einen gesunden Kinderrücken fördern und Haltungsschäden vorbeugen. Damit ihr nicht das Gegenteil bewirkt, solltet ihr allerdings ein paar grundlegende Dinge beachten: 

  • Die wichtigste Voraussetzung, damit sich euer Kind wohl auf dem Rad fühlt, ist ein kindgerechtes Fahrrad. Neben Größe und Gewicht solltet ihr auf möglichst viele ergonomische Komponenten achten. Welche Anforderungen ein Kinderrad genau erfüllen sollte, könnt ihr im Detail hier nachlesen.

  • Auf die richtige Haltung kommt es an. Damit euer Kind eine gesunde Sitzposition einnehmen kann, solltet ihr das Rad perfekt einstellen. Optimal für den Rücken ist ein leicht nach vorne geneigter Oberkörper. In dieser Position können auch Stöße und Schläge auf holprigem Untergrund gut abgefedert werden, wodurch die Bandscheiben geschont werden. Die Haltung ist definitiv falsch, wenn die Arme durchgestreckt sind oder das Becken nach hinten kippt und euer Kind in einen Rundrücken fällt.

  • Die Dosis macht das Gift. Euer Kind sollte keinesfalls jeden Tag einen neuen Gipfel stürmen. Einseitige Belastung oder übertriebener Leistungssport können langfristig genauso schädlich für die Heranwachsenden sein wie stundenlanges Sitzen. Also übertreibt es nicht und passt die Tour stets an das Alter und die Fitness eures Kindes an.

„Was benutzt wird, entwickelt sich. Was ungenutzt bleibt, verkümmert.“ - das schrieb schon Hippokrates von Kós. In diesem Sinne empfehlen sich für heranwachsende Kinder moderate sportliche Aktivitäten, bei denen möglichst viele verschiedene Muskelgruppen beansprucht werden. Genau das ist beim Radfahren der Fall:

  • Alle großen Muskelgruppen des Körpers (Rücken-, Brust- und Bauchmuskulatur sowie Gesäß- und Beinmuskulatur) werden trainiert. Auch wenn es nicht so aussieht, arbeitet die Rumpfmuskulatur ständig aktiv mit, um den Oberkörper zu stabilisieren.

  • Selbst die kleinen Muskelgruppen, beispielsweise die Stützmuskeln um die einzelnen Wirbel herum, können gezielt angesprochen werden. Die asymmetrische, also diagonale, Tretbewegung dehnt und kontrahiert diese kleinen Muskeln, die ihr übrigens nicht bewusst aktivieren, sondern eben nur durch Bewegung trainieren könnt. Voraussetzung dafür ist, wie oben beschrieben, eine leicht nach vorne geneigte Haltung, die gleichzeitig die im Wachstum befindliche Wirbelsäule optimal entlastet.

  • Die zyklischen, also immer wiederkehrenden, Beinbewegungen können zudem bei bereits vorhandenen Rückenleiden helfen.

Dehnen nicht vergessen! Die Muskeln befinden sich, wie gesagt, noch im Wachstum. Gerade in dieser Phase ist Dehnen ganz wichtig, um einseitig verkürzten Muskeln vorzubeugen.

Die digitale Konkurrenz machen es uns Eltern oft schwer, die Kids für Sport zu begeistern. Ein Ausweg kann ein Sportverein sein. In der Gruppe und mit Freunden macht den Kids Sport schließlich am meisten Spaß und wird schnell zur Routine. Außerdem wird euer Kind unter sachkundiger Anleitung ganz spielerisch zum Trainieren motiviert.

Wir sind schon ganz gespannt, wie ihr für einen bewegten Alltag sorgt. Und wie macht euren Kids Radfahren am meisten Spaß?

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