Rücktrittbremse: Ein No-Go für Kinderräder

Posted by Sarah Schwarz

Rücktrittbremse: Ein No-Go für Kinderräder

Posted by Sarah Schwarz

Rücktrittbremse, Stützräder & Co – kennt ihr bestimmt noch aus eurer eigenen Kindheit? Jahrzehnte waren sie Standard, doch heute gelten sie als ein Ding der Vergangenheit.

Zu Recht finden wir! Denn gerade zu Beginn der Radabenteuer eures Kindes hat die Rücktrittbremse entscheidende Nachteile gegenüber Handbremsen. In diesem Blog erfahrt ihr, warum eine Rücktrittbremse den Lernerfolg hindert und wir euch dringend davon abraten.

Weniger Bremsleistung

ERSTENS: Die Bremskraft der Rücktrittbremse ist begrenzt, weil sie im Gegensatz zu zwei Handbremsen nur am Hinterrad bremst. Eine spontane Notbremsung erfordert jedoch maximale Bremskraft, somit ist zusätzlich jedenfalls eine gute Handbremse nötig. Außerdem sind die Kurbelarme (das Bauteil zwischen Pedal und Tretlager) bei kleinen Fahrrädern kürzer, wodurch die Hebelwirkung und Kraftübertragung geringer ist. Hat euer Kind nicht genügend Schmalz in den Beinen, kann es nicht sicher zum Stillstand kommen.

ZWEITENS: Rücktrittbremsen erzielen nur dann eine gute Bremsleistung, wenn sich die Kurbelarme in der Idealposition befinden, sprich parallel zum Boden. Das erfordert eine sehr vorausschauende Fahrweise! Bedenkt, dass euer Kind gerade zu Beginn noch nicht so viel Erfahrung hat und vielleicht eher damit beschäftigt ist, auf die Umgebung zu achten.

DRITTENS: Bei einer sehr starken Rücktrittbewegung kann das Hinterrad blockieren und ausbrechen. Das ist natürlich nicht die ideale Art zu bremsen für Kinder. Die optimale Bremswirkung erreicht euer Kind kurz vor dem Blockieren des Hinterrades – nicht gerade ein Kinderspiel diesen Punkt zu treffen.

VORSICHT: Springt die Kette mal ab, lässt sich die Bremse nicht mehr aktivieren. Zudem können Rücktrittbremsen auf langen Bergab-Passagen überhitzen. Somit sind sie keinesfalls geländetauglich. Aus Sicherheitsgründen sollte daher jedes Fahrrad mit einer zusätzlichen Handbremse ausgestattet sein – in vielen Ländern ist das ohnehin gesetzlich vorgeschrieben.

 

Korrektur der Pedalstellung

Stellt euch vor: Euer Kind will bremsen und stellt fest, dass die Pedale dummerweise senkrecht stehen. Jetzt muss es die Kurbelarme schnell in die passende Position bringen, um Kraft auf die Pedale bringen zu können. Das dauert vielleicht zwei, drei Sekunden. Klingt wenig, doch gerade im Straßenverkehr oder in einer Gefahrensituation zählt jede Sekunde.

Beim Anfahren kann es einfach nur lästig sein, die Pedale in den richtigen Winkel bringen zu müssen. Denn die Kurbelarme lassen sich nicht, wie beim Freilauf, einfach mit dem Fuß nach hinten bewegen, sondern euer Kind muss erst absteigen und das Rad ein kleines Stück schieben oder das Hinterrad anheben und das Pedal vorwärts drehen.
In Kurven kann euer Kind die Pedale nicht spontan rückwärts drehen, um ein Aufsetzen des Pedals an der Innenseite auf dem Boden zu vermeiden. Euer Kind sollte hier vorausplanen und das richtige Pedal oben positionieren.

Ungewünschte Vollbremsung

Es ist ganz normal, dass Kinder ein wenig rückwärts treten, um etwa beim Überfahren von Unebenheiten das Gleichgewicht besser zu halten. Mit einer Rücktrittbremse kann es dadurch zu einer plötzlichen Vollbremsung kommen, ohne dass euer Kind damit rechnet.

Mehr Gewicht

Eine Rücktrittbremse ist schwerer als Handbremsen. Und wie ihr wisst: Jedes Gramm zählt bei Kinder-Fahrrädern! Felgenbremsen sind richtig leicht und somit für den alltäglichen Einsatz ebenso wie im einfachen Gelände ideal. Scheibenbremsen sind zwar etwas schwerer, aber die absolut richtige Wahl für Offroad-Kids, denn sie vereinen enorme Bremsleistung mit geringer Handkraft.

Schlechte Dosierung

Die Feinmotorik der Füße in Schuhen ist schlechter als von Händen und Fingern. Mit den Fingern kann euer Kind, den Bremsvorgang gefühlvoller einleiten und besser dosieren. Speziell in Kurven und auf rutschigem Untergrund ist es wichtig, die Bremskraft zwischen der Vorder- und Hinterradbremse zu verteilen, damit das Hinterrad nicht ausbricht. Mit der Rücktrittbremse ist das schwerer umsetzbar.

Umgewöhnung

Sicheres Bremsen zählt zu den Grundfertigkeiten beim Radfahren und will geübt sein. Bei Fahrrädern mit Rücktrittbremse verlassen sich die Kids vor allem auf die Pedale und verwenden in der Regel kaum die zusätzliche Handbremse. Das macht später den Umstieg auf ein Fahrrad ohne Rücktrittbremse viel schwieriger: Die Kinder müssen sich sowohl den Rücktritt abgewöhnen als auch mit den Handbremsen vertraut machen.

Früh übt sich! Im Idealfall macht euer Nachwuchs schon beim spielerischen Laufradfahren Bekanntschaft mit der Handbremse. So hat euer Kind alle Zeit der Welt, ein gutes Feingefühl zu entwickeln und ihr erspart ihm die spätere Umgewöhnung.

Wichtig ist, dass die Bremsgriffe auf die kleinen Hände von Kindern zugeschnitten sind, sonst kann das Ganze schnell zur Herkulesaufgabe werden. Achtet also darauf, dass der Bremshebel leicht erreichbar beziehungsweise verstellbar ist und die Bremsen mit wenig Kraftaufwand eine gute Bremswirkung erzielen. So haben wir etwa unsere ORIGINAL bikes mit kindgerechten V-Bremsen ausgestattet. Für die kleineren Räder (woom 1+, 2 und 3) haben wir zudem einen auffallend grünen Bremshebel für die Hinterradbremse designt, damit euer Kind die Bremsen einfacher unterscheiden kann.

woom 3 rot mit grüner Bremse

 

Tipp: Mit kleinen Geschicklichkeitsübungen könnt ihr eurem Kind die optimale Bremstechnik spielerisch vermitteln. Wie immer gilt: langsam herantasten!

Viel Erfolg beim Üben!

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