MTB-Fahrtechnik Tipps: Richtig bremsen

Posted by Sarah Schwarz
Jugendlicher mit woom Mountainbike offroad

MTB-Fahrtechnik Tipps: Richtig bremsen

Posted by Sarah Schwarz
Jugendlicher mit woom Mountainbike offroad

So viel Spaß Mountainbiken macht, so wichtig ist ein sicherer Umgang mit dem Bike. Ob am Trail, im Bikepark oder den Hügel runter zur besten Freundin – die richtige Bremstechnik muss sitzen. Das sorgt für noch mehr Spaß und natürlich auch ein gutes Gefühl bei Mama und Papa.

Der gekonnte Einsatz der Bremsen zählt zu den Grundfertigkeiten des Mountainbikens: Einerseits sollte dein Kind das Bike bei plötzlichen Hindernissen schnell zum Stillstand bringen können. Andererseits sollte es auf (längeren) Bergab-Passagen in der Lage sein, die Geschwindigkeit gut zu kontrollieren und konstant zu halten.

Noch ein wichtiger Punkt vorweg: Damit dein Kind einen sicheren Halt und eine gute Kontrolle über sein Bike hat, müssen alle Komponenten individuell an den Körperbau deines Kindes angepasst sein. Was das bedeutet und welche Einstellungen ihr vornehmen solltet, kannst du hier im Detail nachlesen.

 

Bremsleistung der Vorderrad- und Hinterradbremse

Die Frontbremse ist die stärkere Bremse und erzielt einen Großteil der Bremsleistung: Die Vorderradbremse bietet 70 Prozent und die Hinterradbremse 30 Prozent Leistung. Warum?
Beim Abbremsen beschleunigt der Oberkörper nach vorne. Um dem entgegenzuwirken, stützt dein Kind die Hände gegen den Lenker ab. Dadurch kommt viel Druck auf das Vorderrad und die Vorderradbremse erzielt eine besonders gute Bremswirkung, ohne dass das Vorderrad blockiert.
Bei der Hinterradbremse ist es genau umgekehrt: Da der Körper nach vorne schiebt, wird das Hinterrad entlastet, es blockiert und rutscht deutlich schneller. Somit kann die Hinterradbremse weniger zur Bremsung beitragen.

Aus Angst vor einem Sturz über den Lenker betätigen manche Kinder ungern die vordere Bremse. Doch solange dein Kind das Gewicht richtig verlagert und die Bremsen dosiert einsetzt, kommt es in der Regel nicht gleich zu einem Überschlag, wie du gleich noch genauer unter dem Punkt Bremstechnik erfährst.

Jugendlicher mit Mountainbike

 

Fingerposition

Hydraulische Scheibenbremsen machen es deinem Kind leicht! Denn sie sind kraftvoll und lassen sich mit wenig Handkraft perfekt dosieren. Nur ein bis zwei Finger sind ausreichend, um die maximale Bremsleistung zu erzielen. So hat dein Kind den Lenker mit den restlichen Fingern stets fest im Griff, was speziell bei ruppigen Abfahrten ein großer Sicherheitsvorteil ist. Empfiehl deinem Kind, beim Bergab-Fahren immer einen Finger außen am Bremshebel zu positionieren. So kann es schnell reagieren und die Bremsung möglichst kontrolliert einleiten. Und nicht vergessen: Die Daumen umschließen die Griffe immer von unten, um ein Abrutschen zu verhindern.

 

Bremstechnik

Das Ziel ist eine möglichst dosierte Bremsung, damit keine Unruhe in das Bike und in den Körper kommt. So geht der Flow und Fahrspaß bergab nicht verloren. So gelingt's:

  • Die beste Bremsleistung erzielt dein Kind, wenn es die Vorder- und Hinterradbremse kombiniert einsetzt: einfach den Druckpunkt mit Gefühl erhöhen bis die gewünschte Bremskraft erreicht wird.

  • Im leichten Gefälle ist der oben beschriebene 70/30 Bremseinsatz optimal. Je steiler die Abfahrt, desto wichtiger wird die Verwendung der kraftvollen Vorderradbremse.

  • In Kurven sowie auf losem und rutschigem Untergrund wird die Vorderradbremse nur ganz vorsichtig eingesetzt und mehr mit der Hinterradbremse gearbeitet – natürlich wieder mit Gefühl, damit das Hinterrad nicht blockiert und zu rutschen beginnt, es sei denn dein Kind ist schon bereit für einen Drift. ;)

  • Um ein Überhitzen der Bremsscheiben zu vermeiden, sollte dein Kind die Bremsen nicht über eine längere Dauer schleifen lassen, sondern den Bremsdruck regelmäßig lösen und das Bike rollen lassen. Bei Erreichen einer höheren Geschwindigkeit ist es wieder an der Zeit, zu bremsen. Wenn das Gefälle zu steil ist, um die Bremsen ohne Gefahr zu öffnen, sollte dein Kind auf längeren Abfahrten einfach zwischendurch stehen bleiben und die Bremsen abkühlen zu lassen.

 

Körperposition 

Generell sollte dein Kind beim Bergab-Fahren immer die Grundposition einnehmen, um Schläge gut abzufedern und schnell reagieren zu können:

 

Der Körperschwerpunkt (Hüfte) liegt möglichst zentral über dem Tretlager. Das Gewicht ist gleichmäßig auf den Pedalen verteilt, sodass die Hände entlastet werden. Beine und Arme sind leicht angewinkelt, die Pedale waagrecht, ein bis zwei Finger liegen auf der Bremse und der Blick ist weit nach vorne gerichtet. Im Idealfall steht dein Kind locker auf dem Bike – das klappt mit der Zeit bestimmt immer besser.

Was passiert nun aber beim Abbremsen mit dem Körper? 

Bei der Bremsung werden Kräfte ausgelöst, die den Körper nach oben und vorne schieben. Um dem entgegenzuwirken, muss dein Kind je nach Hangneigung und gewünschter Bremsleistung den Körperschwerpunkt rechtzeitig verlagern, und zwar nach unten und gegebenenfalls auch nach hinten. So kippt dein Kind auch nicht nach vorne. 

Schauen wir uns die verschiedenen Bremssituationen und die dazu passende Körperhaltung genauer an:

  • Möchte dein Kind die Geschwindigkeit im leicht abfallenden Gelände halten, bleibt die Hüfte eher vertikal über dem Tretlager und der Körperschwerpunkt wird abgesenkt. Durch das Tiefgehen steigt der Druck der Reifen auf den Boden und die Geschwindigkeit verringert sich automatisch ein wenig.

  • Wird das Gefälle steiler, beschleunigt das Körpergewicht bei der Bremsung stärker nach vorne. Das kann dein Kind ausgleichen, indem es die Hüfte über den Sattel nach hinten schiebt. Senkt dein Kind zusätzlich die Fersen ab, bekommt es seinen Schwerpunkt leichter nach hinten. In dieser Position steigt der Druck auf das Hinterrad und somit kann dein Kind die Hinterradbremse effektiver einsetzen und minimiert die Überschlagsgefahr.

  • Bei einer harten Bremsung geht es darum, schnell tief zu gehen und die Hüfte hinter den Sattel zu bringen. Dazu drückt sich dein Kind vom Lenker weg und schiebt das Bike dynamisch unter dem Körper nach vorne.

  • Nicht übertreiben! Die Beine und Arme sollten während des Bremsvorgangs gebeugt bleiben, damit dein Kind jederzeit gefühlvoll lenken kann. Wenn die Arme am Lenker ziehen und durchgestreckt sind, ist der Körper definitiv zu weit hinten. In dieser Position lastet zu wenig Druck auf dem Vorderrad und dein Kind verliert Traktion, Kontrolle und Bremsleistung. Als Faustregel kann sich dein Kind merken: Schritt auf Höhe der hinteren Sattelkante.

  • Generell sollten diese Vorgänge möglichst synchron ablaufen: Sobald dein Kind zu bremsen beginnt, verlagert es ausgehend von der Grundposition den Körperschwerpunkt und wechselt in die passende Bremsposition. Löst dein Kind die Bremse wieder, wandert es zeitgleich zurück in die zentrale Grundposition.

  • Tipp: Vor steilen und längeren Bergab-Passagen sollte dein Kind den Sattel absenken, um mehr Bewegungsfreiheit beim Manövrieren zu haben. Durch den tieferen Schwerpunkt wird zudem die Überschlagsgefahr reduziert und dein Kind fühlt sich sicherer.

Es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen. Mit der Zeit und Erfahrung wird dein Bikenachwuchs die wirkenden Kräfte immer besser einschätzen können und die richtige Körperhaltung verinnerlichen. 

Wichtig! Bevor du die ersten Trails mit deinem Kind in Angriff nehmt, solltet ihr die richtige Bremstechnik unbedingt üben – am besten auf einer leicht abschüssigen Ebene und auf wechselndem Untergrund. So lernt dein Kind das Fahrrad in Bremssituationen besser kennen und beherrschen. Es gewinnt Sicherheit und Selbstbewusstsein und das bedeutet gleichzeitig mehr Spaß im Gelände. Hier findest du einige spielerische Übungen, um die Fahrtechnik deines Kindes zu verbessern.

Hast du noch Tipps und Tricks, wie du die richtige Bremstechnik mit deinem Kids trainiert? Wir sind gespannt!

Comments: